06.05.2015

Krebs in Mecklenburg-Vorpommern

Landesbericht des GKR erschienen

Das Gemeinsame Krebsregister (GKR) ist das epidemiologische Krebsregister für die neuen Bundesländer und Berlin. Vor kurzem veröffentlichte das Gemeinsame Krebsregister
einen Landesbericht zum aktuellen Krebsgeschehen in Mecklenburg-Vorpommern. Darin werden ausführliche Daten nicht nur zur Krebsinzidenz und -mortalität in den Jahren 2010 und 2011 vorgelegt, sondern auch zur Prävalenz, zur Entwicklung der Überlebensraten und hinsichtlich der zukünftig zu erwartenden Fallzahlen im Land Mecklenburg-Vorpommern. Der Bericht enthält Auswertungen nach Kreisen, die als detaillierte Tabellen und für die wichtigsten Krebserkrankungen als Karten dargestellt werden.

In den Berichtsjahren 2010 und 2011 erkrankten in Mecklenburg-Vorpommern jährlich durchschnittlich 6.117 Männer und 4.636 Frauen an einer bösartigen Neubildung ohne
nicht-melanotische Hauttumoren (C44) (mit C44 sind es 7.780 Männer und 6.244 Frauen). Das entspricht einer jährlichen altersadjustierten Neuerkrankungsrate (nach Europastandardbevölkerung – ESR) von 501 pro 100.000 bei Männern und 330 pro 100.000 bei Frauen. Damit liegt die Neuerkrankungsrate in Mecklenburg-Vorpommern bei Männern über und bei Frauen unter der Schätzung für Deutschland, die bei Männern 459 und bei Frauen 347 pro 100.000 Einwohner beträgt (Quelle: GEKID).

Innerhalb der Kreise schwankt die Neuerkrankungsrate bei Männern zwischen 542 in Vorpommern-Rügen und 403 pro 100.000 in Nordwestmecklenburg und bei Frauen zwischen
371 in Rostock und 283 pro 100.000 in Nordwestmecklenburg. Für das Diagnosejahr 2014 erwartet das GKR nach eigener Schätzung bei Männern 6.574 und bei Frauen 4.770 neue
Krebserkrankungen (ohne nicht-melanotische Hauttumoren).Während in Mecklenburg Vorpommern die Krebsinzidenz insgesamt in den letzten 10 Jahren stabil blieb, gibt es unter-
schiedliche Entwicklungen in den einzelnen Lokalisationen. Bei Männern und Frauen sind die Neuerkrankungsraten für maligne Melanome der Haut und sonstige Hauttumoren gestiegen.
Bei Frauen stiegen zusätzlich die Brustkrebsinzidenz sowie die Inzidenz von Lungen-, Mund Rachen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs und bei Männern die Inzidenz von Prostata- und Leberkrebs. Teilweise erklärt sich der Anstieg durch die Einführung von Screeningmaßnahmen. Andere Lokalisationen haben dagegen in den letzten Jahren einen rückläufigen Trend. Bei Männern waren das unter anderem Lungen-, Darm-, Harnblasen-, Nieren- und Magenkrebs und bei Frauen Darm-, Magen-, Gebärmutterhals- und Eierstockkrebs.

Krebs kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten jedoch im höheren Lebensalter. Knapp drei Viertel aller Krebserkrankungen in Mecklenburg-Vorpommern betreffen Menschen, die 60 Jahre und älter sind. Weniger als ein Prozent aller Krebserkrankungen betrifft Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren. Das mittlere Erkrankungsalter (Median) beträgt bei Männern 69 Jahre und bei Frauen 70 Jahre. Die meisten Neuerkrankungen treten in der Altersgruppe der 70- bis 75-Jährigen auf. Pro Jahr erhalten in Mecklenburg Vorpommern 1.314 Männer und 749 Frauen dieses Alters eine Krebsdiagnose. Das sind 2,6 % bzw. 1,2 % der Bevölkerung in dieser Altersgruppe. In Mecklenburg-Vorpommern leben fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose im Schnitt noch 59 % der Männer und 63 % der Frauen. Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten haben sich damit in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. In den 1980er Jahren lagen sie noch bei 27 % bzw. 43 %. Mit verbesserten Überlebensraten steigt auch die Prävalenz in der Bevölkerung. So lebten am 31.12.2011 in Mecklenburg- Vorpommern 26.351 Männer und 23.028 Frauen mit einer in den letzten 10 Jahren diagnostizierten Krebserkrankung (ohne C44). Das entspricht 3,3 % bzw. 2,8 % der Gesamtbevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns. Dabei entfallen auf die häufigsten Krebserkrankungen – Prostatakrebs bei den Männern und Brustkrebs bei den Frauen – 10.333 bzw. 9.138 Fälle.

Die für den Bericht ausgewerteten Daten stammen größtenteils von Meldungen der Tumorzentren in Mecklenburg-Vorpommern. Hinzu kommen Meldungen von niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten sowie Leichenschauscheine. Der Anteil an Krebsneuerkrankungen, die nur durch Leichenschauscheine gemeldet wurden, liegt im Bericht bei 12,4 %. Der Bericht kann über die Webseite des Gemeinsamen Krebsregisters (www.berlin.de/GKR) bestellt oder heruntergeladen werden. Dort stehen ebenfalls Landesberichte für Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Verfügung, die zeitgleich veröffentlicht wurden, sowie Kreisdatenblätter für die Bundesländer des GKR, die aktuelle Auswertungen auf Kreisebene enthalten.

Quelle: Ramona Scheufele
Arbeitsgruppe Epidemiologie des
Gemeinsamen Krebsregisters


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