11.05.2017

Warnsignal Blut im Urin

Ob sich eine Krebserkrankung der Harnwege dahinter verbirgt oder nicht, sollte möglichst zügig abgeklärt werden, was jedoch nicht immer der Fall ist.
Wenn sich Blut im Urin befindet, ist eine Abklärung durch einen Arzt dringend geboten, weil sich eine bösartige Erkrankung der Harnwege, aber auch eine andere ernstzunehmende Erkrankung dahinter verbergen kann. Doch vergeht offenbar nicht selten zu viel Zeit, bevor eine Krebsdiagnose feststeht, wie jetzt in einer US-amerikanischen Studie in der Fachzeitschrift BJU International zu lesen ist.
In der Studie waren die Daten von 1.326 Patienten ausgewertet worden. Bei allen war, nachdem sie sich wegen Blut im Urin, einer sogenannten Hämaturie, beim Arzt vorgestellt hatten, Krebs der oberen Harnwege, zum Beispiel ein Urothelkarzinom im Nierenbecken oder Harnleiter, diagnostiziert worden. Gut ein Drittel der Patienten (35 Prozent) erhielt die Diagnose verzögert, d.h. frühestens nach 90 Tagen. Bei der Hälfte der Männer stand die Diagnose nach frühestens 60 Tagen fest, bei der Hälfte der Frauen nach 49 Tagen. Zwar war dieser Unterschied signifikant, doch hatten Männer nicht häufiger als Frauen eine verzögerte Diagnose nach mehr als 90 Tagen.
Hierfür waren vielmehr andere Faktoren ausschlaggebend. So wurde die Diagnose vor allem dann verschleppt, wenn es nach dem Auftreten der Hämaturie zu einem Harnwegsinfekt, einem Nierensteinleiden oder einer erstmalig festgestellten oder wiederholt auftretenden Prostataerkrankung kam.
Gutartige Erkrankungen der Nieren, Prostata und Harnwege sind es also, die trotz des Warnzeichens Hämaturie von einer Krebserkrankung der oberen Harnwege ablenken können – insbesondere dann, wenn sich der Patient initial nicht bei einem Urologen, sondern einem Arzt anderer Fachrichtungen vorgestellt hat, so die Studienautoren zusammenfassend. Neue nicht-invasive Techniken müssten entwickelt werden, mit denen das Risiko für eine bösartige Erkrankung bei Patienten mit Hämaturie besser abgeschätzt werden kann. Zudem müssten Ärzte auch außerhalb urologischer Praxen besser dafür geschult sein, beim Auftreten von Blut im Urin eine geeignete Diagnostik für den Ausschluss einer Krebserkrankung der oberen Harnwege durchzuführen. Nur so ließen sich unnötige und gefährliche Verzögerungen der Diagnose verhindern.
 
Quelle: Chappidi, M. R. et al.: Evaluation of Gender-Based Disparities from Initial Hematuria Presentation to Upper Tract Urothelial Carcinoma Diagnosis: Analysis of a Nationwide Insurance Claims Database. BJU International, Onlinevorabveröffentlichung am 18. April 2017, DOI: 10.1111/bju.13878


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